Kultur des Indus-Tales

Bereits 2.500 Jahre v. Chr. hatte sich in der fruchtbaren Talebene des Indus (heutiges Pakistan) 1000 Jahre lang bereits eine hohe Kultur entwickelt. Große Städte und Zentren dieser Kultur waren Mohenjodaro und Harappa, sie wurden erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt und es gibt noch viele offene Fragen zu dieser Zeit. Der Hinduismus hatte hier seine Wurzeln. Könige waren eher Priester und Berater der Menschen und standen mit den Göttern in  Verbindung. Wissenschaft und soziales Gefüge müssen schon sehr weit entwickelt gewesen sein. Die Schrift konnte aber bis jetzt noch nicht entziffert werden. Auch weshalb diese Kultur so schnell nach Eindringen der arischen Stämme verfiel ist nicht bekannt.

Eindringen arischer Stämme und Entwicklung von Religion   

Die arischen Stämme drangen zwischen 2000 und 1500 v. Chr. von Zentralasien immer weiter nach Indien ein und beherrschten gesamt 'Nordindien bis zur Bergkette von Vindhya. Die Einwohner, die Drawinen, wurden immer weiter nach Süden gedrängt. Die Aria brachten ihre Naturgötter mit. Im 8. Jahrhundert v. Chr. konnte sich aber die Priesterkaste mit ihren universellen Göttern und der Vorstellung universeller Seele (Brahman) durchsetzen. Um 500 v. Chr. entwickelte sich der Buddhismus und Jainismus.

Das Mauryanische Reich

Zwei Jahrhunderte, bevor Alexander der Große seinen langen Marsch nach Osten antrat, entwickelte sich im Norden Indiens ein Königreich. Als im Jahr 321 v. Chr. Alexander der Große durch seinen Rückzug ein großes Vakuum hinterließ gewann das Reich des Chandragupta Maurya an Macht (damalige Hauptstadt ist heutiges Patna). Der Sohn von Chandragupta,  Bindusara, vergrößerte das Reich bis weit in den Süden. Der absolute König der Mauryan aber war: Ashoka der Große ( 286-231 vor Chr.). Mit seinem Tod zerfiel das Reich schrittweise.

Zeit des Gupta-Reiches

Nach vielen Königreichen wurde im Jahr 319 n. Chr.  von Chandragupta II. das Reich Gupta gegründet welches bis zum Jahr 606 n. Chr. Einfluss in Nordindien hatte. Unter der Gupta-Zeit entwickelte sich die indische Kultur zur vollen Blüte. Mit dem Zerfall des Gupta-Reiches wich der Buddhismus und Jainismus immer mehr dem Hinduismus. Es entstanden viele kleinere Königreiche und erst der moslemische Einfluss schaffte erst wieder größere Reiche.

Entwicklung Südindiens

Die Entwicklung im Norden und Zentral-Indien hatte nicht immer gravierenden Einfluss auf die Entwicklung im Süden. Buddhismus und später Hinduismus fand in Südindien ergebene Anhänger. Der Süden hatte eine gesunde und gut funktionierende Wirtschaft. Handel wurde intensiv mit den Ägyptern und später mit den Römern gepflegt. Aber auch europäischer Einfluss machte sich schon bemerkbar. So soll 52 n. Chr. der Apostel St. Thomas in Kerala angekommen sein und bis heute ist der christliche Einfluss in diesen Gegenden zu spüren. Folgende große Reiche existierten um das 1. bis 9. Jahrhundert n. Chr. in Südindien: Chalukya (Dekkan) Herrschaft Richtung Norden ausgedehnt Hauptstadt Badami in Karnataka Weiter im Süden das Pallava-Reich. Nachfolger  die Chola. Weitere Reiche Panya und Chera.

Auch die moslemischen Eroberer hatten mit der Eroberung Südindien Problem. 1000 bis 1300 n. Chr. herrschte die Hooysala-Dynastie mit den Zentren in Belur, Haebid und Somnathpur. Sie unterlagen aber später den ständigen Angriffen der Moslems und der vereinigten Hindu-Königreiche.

Zwei andere Königreiche entstanden nördlich des heutigen Karnataka, das Hindu-Reich mit Hauptstadt Hampi (gegründet 1336 von Vijayanagar) und ein Moslem-Reich im Norden. (Sultanate von Delhi).

 

Moguln-Reich

Bereits knapp Hundert Jahre nach dem Tode de Propheten Mohammed kam es zu Angriffen von Arabern in Richtung Indien, z.B. Region Sind und sogar Gujarat. Die Religion des Islams sollte mit dem Schwert verbreitet werden. Diese ersten Überfälle waren aber mehr Raubzüge als Eroberung. Diese fing erst 1192 bis 1206 an, nachdem der Punjab, Ajmer, Varanasi, Delhi und schließlich das gesamte Ganges-Becken unter moslemische Herrschaft gebracht wurde. Zwar war der Machtwechsel unter den Herrschern sehr oft, aber der Einfluss auf Nordindien blieb. Die Moslems grenzten sich vom einheimischen Religionen ab. Aber sie schafften es nicht den Hinduismus zu verdrängen. Da sie alleine das Land nicht regieren konnten, wurden Kompromisse eingegangen und Hindus auch an der Macht beteiligt. Es kam sogar zur Entwicklung einer Mischsprache  aus persischen Vokabular und hinduistischer Grammatik - dem Urdu.

Es gab zur Zeit der moslemischen Moguln-Reiches viele Herrscher und großen Einfluss auf Architektur, Kunst und Literatur. Die Moguln widmeten sich nicht immer den Regierungsgeschäften sondern profilierten sich in Architektur und Kunst. Nur wenige Moguln kann man als bedeutend bezeichnen. Babur (1527-1530), Humayuan (1530-1556), Akbar (1556-1605), Jehangir (1605-1627), Shah Jahan (1627-1658), Aurangzeb (1658-1707). Babur (Nachfahre von Timur und Djingis Khan) führte den ersten großen Schlag gegen die Moguln-Gegner den Sultanat von Delhi. Humayuan verlor den Thron für 15 Jahre, sein Sohn Akbar (bereits mit 14 Jahre Herrscher) bekam das Reich aber dann endgültig unter Kontrolle.  Unter Akbar war in Fragen Angleichung und Entwicklung von Wissenschaft, Kultur, Religion und Integrierung der Hindus in die Regierungsgewalt große Fortschritte zu verzeichnen. Sein Sohn Jehangir führte Das Reich im allgemeinen Sinne Akbars weiter. Der Nachfolger Sha Jahan ließ erst mal alle männlichen Verwandten in Seitenlinien seiner Familie hinrichten. 1639 gestattete er den Engländern eine Handelsniederlassung in Madras. Er widmete sich vorrangig der Baukunst. Bekannt z.B. das Taj Mahal in Agra, als Grabmahl für seine Frau - heute ein Weltwunder. Zum Bau seines eigenen Grabmahl aus schwarzen Marmor kam es nicht mehr. Sein Sohn Aurangzeb setzte in unter Arrest (im Roten Fort - Sichtweite zum Taj Mahal) und unterbrach damit auch die Bauwut seines Vaters. In seiner Zeit wurden viele hinduistische Tempel abgerissen und an ihren Stellen Moscheen errichtet.  Diese harte Gangart und auch hohe Steuern ließen den Unmut der Inder weiter wachsen. In zahlreichen Gebieten brachen Aufstände aus. Nach dem Tod Aurangzeb 1707 zerfiel das Moguln-Reich.   

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Die Europäer

Das Auftreten der Europäer stellt einen weiteren bedeutenden Punkt in der Geschichte Indiens dar. Zu Beginn des 17. Jahrhundert erbauten die Seefahrer Englands, Frankreichs, Hollands und Portugiesens einige Handelsaußenposten der Küste entlang. Obwohl die Portugiesen sich schon ihre Kolonie in Goa gesichert hatten, blieben sie dennoch in finanzieller Hinsicht beschränkt. Während des 16. und 17. Jahrhunderts behielten sie ihre Stellung als Piraten auf hoher See, während die anderen  europäische Interessengemeinschaften ihre Präsens auf dem Festland verstärkten.


Die Jahre des "Raj"

Zwischen den Neuankömmlingen entwickelten sich heftige Streitigkeiten; sie verbündeten sich jeweils mit den ansässigen Herrschern, um auch in militärischer Hinsicht miteinander konkurrieren zu können. Mit der Zeit wuchsen auch ihre politischen Ambitionen; sie provozierten Streitigkeiten zwischen ihren Gegnern, um ihren Vorteil daraus zu ziehen. Als erfolgreichste Partei gingen aus diesem Geplänkel schließlich die Briten hervor, die nach der Schlacht von Plassey (1757) die politische Gewalt über Ost-Indien übernahmen. Nach und nach verbreitete sich ihr Einfluss über den gesamten Subkontinent.

Im Gegensatz zu allen vorangegangen Herrschern hatten sich die Briten nicht in Indien niedergelassen, um dort ein neues Reich zu erschaffen. Das vorrangige Ziel der "English East India Company" war es, dem durch die Ausbeutung der "Industriellen Revolution" wirtschaftlich ausgelaugtem Vereinigten Königreich einen neuen Rohstoff- sowie Absatzmarkt zu erschließen. Indien bekam den Kosenamen "Das Juwel der Krone" verliehen, da es aufgrund seiner "Hilfe" der Wirtschaft in England wieder besser ging. Unter dem harten Zamindarisystem wurde Indien umstrukturiert ,um das Eintreiben der Steuern zu erleichtern und effizienter zu machen.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert schließlich wurden einige Teile Indiens direkt unter die Kontrolle der "English East India Company" gestellt, andere wurden von den ansässigen Herrschern verwaltet, welche wiederum allerdings von der Company abhingen.


Der erste Unabhängkeitskrieg

Aufgrund der ständigen Präsens der Briten schlossen sich 1857 die ansässigen Herrscher und der Landadel mit dem letzten Mughul-Herrscher, Bahadur Shah, zusammen. Allerdings wurde dieser Aufstand auf brutalste Art und Weise von den Briten niedergeschlagen. Ende 1859 war Bahadur Shah nach Burma deportiert worden, wo er schließlich eines einsamen Todes starb. Dieses Ereignis besiegelte das Schicksal der Mughul in Indien.


Der Freiheitskampf

Da es für eine Handvoll Verwalter nahezu unmöglich war, ein so großes Land zu verwalten, keimte die Idee auf, die nachfolgende Generation zu diesem Ziel auszubilden, um sich eine intellektuelle Elite aufzubauen, die mit diversen Verwaltungsaufgaben betraut werden könnte.

Um diesen Traum zu verwirklichen, schuf man ein Ausbildungssystem, das den jungen Indern die Grundgedanken der Demokratie, der individuellen Freiheit und der Gleichheit näher bringen sollte. Dieses System schuf die Vorraussetzungen für die Vordenker der Freiheitsbewegung.

Eine vollständige Mobilisierung der Volksmassen jedoch gelang erst einem der bemerkenswertesten und charismatischsten Führer des 20.Jahrhunderts, ja vielleicht sogar aller Zeiten.


Mohandas Karamchand Gandhi

Mohandas Karamchand Gandhi war ein aus Südafrika kommender britischer Rechtsanwalt mit indischem Ursprung. Während seines Kampfes gegen die Apartheid hatte er ein neues System der gewaltlosen Auseinandersetzung geschaffen, welches er "satyagraha" nannte. Später wurde ihm der Titel Mahatma verliehen. Gandhi, ein überzeugter Hindu, propagierte weiterhin die Philosophie der Toleranz, Gleichheit der Religionen und aller Menschen. Diese Verdienste brachten ihm weltweiten Ruhm ein.

Während der folgenden Jahre führte Gandhi eine Reihe von Bewegungen an, an denen auch Frauen teilnahmen, und den Grundstock für die Emanzipation legten. 1942 rief er die "Quit India" - Bewegung aus, mit der er die britischen Besatzer dazu veranlassen wollte, Indien wieder freizugeben. Den Briten blieb augenscheinlich nichts anderes übrig, als abermals mit Gewalt auf diese Bewegung zu regieren, welche selbst auf dem Prinzip der Gewaltlosigkeit beruhte. Allerdings wurde mit dem Ende des 2. Weltkrieges der Grundstein für die Unabhängigkeit Indiens gelegt.


Die Unabhängigkeit

Indien wurde am 15. August 1947 unabhängig. Die ganze indische Unabhängigkeitsbewegung war einer der beeindruckensten Vorgänge des 20. Jahrhundert Der Erfolg des lange schwelenden Kampfes beruht auf den Verdiensten der vorangegangenen Generationen, welche durch ihr couragiertes Auftreten gegen die brit. Besatzer den Grundstein für einen eigenständigen Staat geschaffen hatten.