Indien ist mit einer Fläche von 3.288.000 qkm das siebtgrößte Land auf dem Erdball und nach China der bevölkerungsreichste Staat (rd. 970 Mio. Einwohner). Indiens größte Nord-Süd-Ausdehnung mißt 3214 km, seine weiteste West-Ost-Erstreckung beträgt 2933 km.

Indien feiert sich gerne "als größte Demokratie" der Welt; eine Etikettierung, die durch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen zwar relativiert, indes nicht widerlegt wird. Daß rund 50 Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes ein Grundzug des Regierungssystems Indiens, nämlich die "parlamentarische Demokratie", noch Bestand hat, ist auch keine Selbstverständlichkeit, bedenkt man, welche vielfältigen Spannungspotentiale in den ethnischen, sprachlichen, religiösen und kastenmäßigen Differenzierungen angelegt sind.

Indien ist eine föderative Republik. Sie gliedert sich in 25 Bundesstaaten und sieben Unionsterritorien. Allerdings sind die politischen Mitsprache- und Entscheidungskompetenzen der Bundesstaaten wesentlich geringer als zum Beispiel in Deutschland. Durch das Mittel der "President's Rule" kann eine Landesregierung abgesetzt und die Regierungsgewalt einem Gouverneur übertragen werden.

Veränderungen in der Zusammensetzung der Volkskammer hat es durch die 13. Wahlen zur Lok Sabha gegeben. Das von der Bharatiya Janata Party angeführte Mehrparteienbündnis, die National Democratic Alliance (NDA), konnte mit rd. 300 Mandaten ihre Machtbasis verbreitern.

Zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit präsentiert sich Indien als potentielle Wirtschaftsmacht, deren Entwicklung entscheidend davon abhängig sein wird, inwieweit es der Regierung gelingt, die strukturellen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme des Landes zu lösen.

Die Rupie wurde verschiedentlich abgewertet; der Wechselkurs gegenüber der D-Mark hat sich wieder stabilisiert; die Schwankungen des US$ gegenüber der D-Mark spiegeln sich angesichts der großen Bedeutung der USA als Wirtschaftspartner Indiens auch in den Kursen der Rupie gegenüber der Mark.

Währung: Indische Rupie (iR bzw. Re., Rs) zu 100 Paise (P.). Offizieller Kurs lt. Dt. Bundesbank (Stand Ende Dez. 1997): 100 Rs = 4,5830 DM (Ankauf) bzw. 4,5351 DM (Verkauf).

1 indische Rupie (Rs - nach ISO 4217: INR) = 100 Paise (P); indische Quellen schreiben "Rupee" (Re), Plural: "Rupees" (Rs), und verwenden als Zähleinheiten "Lakh" und "Crore": 1 Crore Rs = 100 Lakh Rs = 10 Mio. Rs. Die feste Parität gegenüber dem britischen Pfund Sterling wurde 1975 zugunsten einer Bindung an einen Korb von Währungen der wichtigsten Handelspartner abgelöst; seit 3.3.1992 ist der US$ (zuvor: brit. Pfund) Interventionswährung. Die indische Rupie verlor gegenüber der DM in der zweiten Hälfte der 80er Jahre und der ersten Hälfte der 90er Jahre jeweils die Hälfte ihres Wertes: der Kurs verschlechterte sich von 4,56 Rs/DM im Jahre 1985/86 auf 9,09 Rs/DM 1989/90 und 22,36 Rs/DM im März 1995; bis September 1997 fiel die Rupie auf unter 36 Rs/US$, verbesserte sich aber Dank des gestiegenen Dollar gegenüber der Mark. Der Stützungskredit des Internationale Währungsfonds (IWF) konnte weitgehend getilgt werden. 1994 wurde die Rupie in Bezug auf die laufenden Posten der Zahlungsbilanz konvertibel; im Januar 1997 wurden die Beschränkungen im Devisenverkehr weiter gelockert.

 

Bodenschätze: Indien hat reichhaltige Reserven (recoverable reserves) an Eisenerz (1996: 9,8 Mrd. t), das zum größten Teil exportiert wird, und an Bauxit (2,3 Mrd. t), was zu ehrgeizigen Plänen zum Ausbau der Aluminiumindustrie geführt hat. Beträchtlich sind auch die Vorkommen an Kohle (Kokskohle 3,7 Mrd. t, sonstige Kohle 46,4 Mrd. t), Manganerz (65,5 Mrd. t), Kupfer (3,5 Mio. t), Zink (5,9 Mrd. t) und seltenen Erden. Ferner befindet sich in Indien das größte derzeit bekannte Lager von Thoriumoxid, einem wichtigen Ausgangsmaterial für radioaktive Brennstoffe. Für den Außenhandel sind neben Kohle, Eisen und Bauxit vor allem Mangan, Chrom, Titan und Antimon von Bedeutung; das Land ist der Hauptanbieter von Glimmer auf dem Weltmarkt. Ferner werden Erdöl, Zink, Blei, Phosphat, Feldspat, Baryt, Kyanit, Sillimanit, Asbest, Korund, Gold, Silber und Edelsteine gefördert.

Tourismus: Der Tourismus konnte sich von den Einbrüchen der Jahre 1992 bis 1995 (Unruhen, Pest) erholen. 1995 besuchten 2,1 Mio. Ausländer Indien - mehr als je zuvor. Die größten Kontingente kamen aus Großbritannien (334.800), den USA (203.300), Sri Lanka (114.200), Deutschland (89.000), Frankreich (82.300) und Japan (76.000); in diesen Zahlen dürften viele Besucher indischer Herkunft enthalten sein. Der internationale Tourismus hat sich zu einer der Haupteinnahmequellen von Devisen entwickelt: die Einnahmen aus dem internationalen Reiseverkehr stiegen 1993/94 auf 2,2 Mrd. US$, die Ausgaben auf 0,5 Mrd. US$. 

Verkehr

Verkehr: Rückgrat des indischen Transportsystems ist die Eisenbahn, ergänzt durch Busse und Lastwagen sowie - auf lokaler Ebene - Fahrradrikschas und Ochsenkarren. 54 % der Dörfer sind noch immer ohne Anschluß an das Straßennetz.

Der internationale Verkehr wird fast ausschließlich per Luft (Personen) und See (Güter) abgewickelt; der Überlandverkehr mit den Nachbarländern ist - mit Ausnahme Nepals - minimal. Die indische Regierung gibt in ihrem Jahreswirtschaftsbericht 1996/97 die Schätzung wieder, daß 80 % des gesamten Personenverkehrs und 60 % des Güterverkehrs auf der Straße befördert werden; für das Jahr 2000 wird erwartet, daß diese Anteile auf 87 % und 65 % ansteigen werden.

Straßen: Das Straßennetz hat eine Länge von 2,88 Mio. km, davon die Hälfte mit befestigter Fahrbahn; 34.298 km waren (1996/97) Nationalstraßen; auf ihnen wurden 40 % des gesamten Verkehrs abgewickelt. 1994/95 waren 30,3 Mio. Kraftfahrzeuge angemeldet; 1994 gab es 3,45 Mio. Pkw, Jeeps und Taxis, 1,79 Mio. Lkw, 0,39 Mio. Busse und 17,94 Mio. Motorräder und -roller und 2,90 Mio. Ackerschlepper, Anhänger, Dreiräder und sonstige Motorfahrzeuge; dazu kommen über 100 Mio. Fahrräder.

Eisenbahn: Mit (1997) 62.915 km Länge ist das indische Streckennetz das größte Asiens und das viertgrößte der Welt. 12.306 km sind elektrifiziert, darunter die Strecken von Delhi nach Bombay, Calcutta und Madras. Noch werden mehrere Spurweiten bedient, doch macht die Überführung der Meter- (18.501 km) und Schmalspurstrecken (3.794 km) auf Breitspur (40.609 km) rasche Fortschritte (1996/97: 1.351 km). Nur 14.849 km sind zweispurig. Die Bahn ist ein Staatsunternehmen und mit 1,6 Mio. Beschäftigten der größte Arbeitgeber. 1995/96 wurden 4,0 Mrd. Reisende (342 Mrd. Passagier-km) befördert und 391 Mio. t Fracht (271 Mrd. Tonnen-km) transportiert. Fünf Sechstel der Dampfloks wurden seit den 60er Jahren aus dem Verkehr gezogen (1992/93: noch 1.725) und durch Diesel- (4.069) und E-Loks (2.012) ersetzt. Der Bestand an Passagierwagen wurde auf 39.929 erhöht; die Zahl der Güterwaggons (0,33 Mio.) wurde weiter reduziert. Kohle macht fast die Hälfte aller Fracht aus, es folgen Eisenerz, Zement, Getreide, Düngemittel, Mineralölprodukte.
Quelle: Statistical outline of Indie 1996-97. p. 110.

Schiffahrt: Die indische Handelsflotte bestand Ende 1996 aus 481 Einheiten mit 7,0 Mio. BRT; sie transportierte 1994/95 29 % der Fracht im internationalen Verkehr. Es gibt vier größere, drei mittlere und etwa 35 kleine Werften; die Werft in Cochin hat zwei Tanker mit 86.000 dwt gebaut. Indien hat eine Küste von 5.560 km Länge, an der 174 Häfen liegen; die wichtigsten sind (Umschlag 1995/96, Mio. t): Bombay (34,1), Visakhapatnam (32,8), Madras (30,7), Kandla (30,3), Calcutta/Haldia (21,4), Marmagao (18,1), Cochin (11,5), Paradip (11,3), Tuticorin (9,3), New Mangalore (8,9), Jawaharlal Nehru Port (6,9). Die Kapazität der Häfen wird fast völlig ausgeschöpft: 1995/96 wurden 215 Mio. t umgeschlagen, 9,1 % mehr als im Vorjahr - ein deutliches Indiz für die zunehmende Weltmarktverflechtung. Öl, Eisenerz und Kohle stehen für 42 %, 16 % und 14 % des Umschlags. Container machen (1995-96) mit 17,6 Mio. t 8,2 % des Umschlags aus; mehr als die Hälfte davon in Bombay und seinem neuen Hafen Jawaharlal Nehru Port.

Luftfahrt: Der Air Coporation Act, 1953 wurde per 1. März 1994 aufgehoben; damit endete das Monopol der staatlichen Fluglinien Indian Airlines und Air India für Linienflüge. Private Gesellschaften, die bis dahin nur Lufttaxis betreiben durften, wurden als Linienfluggesellschaften anerkannt; nur wenige haben sich behaupten können; die Beteiligung ausländischer Teilhaber wurde wieder untersagt.

Die Anpassung der Inlandsfluglinie Indian Airlines an den Wettbewerb hat nach anfänglichem Widerstand der Belegschaft zu einer Verbesserung des Services geführt. Indian Airlines hatte 1995-96 59 Flugzeuge und beförderte 7,7 Mio. Passagiere (723 tkm), seit 1991-92 das beste Ergebnis. Air India, die internationale staatliche Fluggesellschaft, beförderte 1995/96 mit ihren 26 Flugzeugen 2,85 Mio. (1994/95: 2,28 Mio.) Passagiere; die Flugleistung stieg auf 1.619 (1.385) Mio tkm; der Anteil am internationalen Flugverkehr Indiens betrug 1995 22 %; der Auslastungsfaktor von 62 % ist gering im internationalen Vergleich. Eine Fusion der beiden Gesellschaften wird immer wieder erörtert, ebenso eine (Teil-)Privatisierung. Der National Airports Authority (NAA) unterstehen 88 zivile Flughäfen; auf den fünf internationalen Flughäfen Bombay, Delhi, Calcutta, Madras und Thiruvananthapuram (Trivandrum) wurden 1995/96 26 Mio. Passagiere abgefertigt.

Fernmeldeverkehr: Das Land mit seinen 0,6 Mio. Dörfern ist durch 0,15 Mio. Postämter und -stellen postalisch erschlossen. Mit 300.000 regulären und ebensovielen Teilzeitbeschäftigten hat Indien das weltgrößte Postsystem. Die indische Post ist mit (1994) 673 Mrd. Rs Einlagen die größte Sparkasse des Landes. Die Anzahl der Telefonanschlüsse nahm 1996 auf 12,6 Mio. zu und wächst pro Jahr um mehr als 20 %. Gemäß der National Telecom Policy(NTP) von 1994 soll jedes Dorf einen öffentlichen Fernsprechanschluß erhalten, ursprünglich bis 1997, jetzt bis Ende des neunten Fünfjahresplanes, der 1997 beginnen sollte; 1996 hatte jedes dritte Dorf einen öffentlichen Anschluß. Internet-Dienste werden vom Department of Telecommunications(DOT) und von der Videsh Sanchar Nigam Ltd. (VSNL), der staatlichen Gesellschaft für internationale Telekommunikation, angeboten - vorerst (März 1997) in 10 Städten. 

 

 

Vielfältig sind die Diskriminierungen, unten denen indische Frauen zu leiden haben. Indien gehört zu den wenigen Ländern, in denen mehr Männer als Frauen leben (1000:927 in 1991). Der wissenschaftliche Fortschritt gibt zusätzliche Mittel an die Hand, um dieses Verhältnis weiter zugunsten der Männer zu verändern. So kann durch Amniocentese das Geschlecht des Embryos bestimmt werden. Viele, die es sich leisten können, lassen solche Tests durchführen und - treiben weibliche Föten ab.

Indien weist eine ununterbrochene mehrtausendjährige Tradition in Bildhauerei, Malerei, Architektur, Theater, Tanz und Musik auf. Viele dieser Traditionen sind bis heute lebendig und genießen bei der einheimischen Bevölkerung hohes Ansehen. Traditionelles Theater, Malerei und Tanz werden von manchen Nichtregierungsorganisationen erfolgreich als Kommunikationsmedien für Bewußtseinsarbeit eingesetzt.
Daneben ist Indien ein Kinoland. Jährlich werden über 800 Filme produziert, mehr als in den USA. Indische Filme haben nicht nur in Indien selbst ein Millionenpublikum, sondern werden auch in vielen arabischen und afrikanischen Ländern gern gesehen. Falls Sie noch mehr Interesse haben, schauen sie doch in der Mediothek der DSE vorbei, dort finden sie Filmklassiker von wichtigen indischen Regisseuren wie Satyajit Ray, Mirnal Sen, Raj Kapoor oder einen kommerziellen Film von Bollywood, wie die Filmmetropole Mumbai in Indien genannt wird.