Religionen
in Indien
In keinem anderen Land sind so viele Religionen
nebeneinander vertreten wie in Indien. Indien war sogar die Geburtsstätte von 2
großen Weltreligionen, dem Hinduismus und dem Buddhismus. Eine der ältesten und
auch wichtigsten Religionen - der Zoroastrismus hat ebenso wie der einmalige
Jainismus seine Wurzeln in Indien.
Die Flagge des heutigen Indiens vereint übrigens die
wichtigsten Religionen - Safran-Rot für Hindus, Grün für Moslems und Weiß für
Christen.
Leider führten die großen sozialen Probleme des Landes
immer wieder zum Ausbruch von religiösen Konflikten (hauptsächlich zwischen
Hindus und Moslems).
Hauptsächliche Verteilung der wichtigsten Religion in
Indien.
84% Hinduismus
11% Islam
2,4% Christentum
1,8% Sikhismus
0,6% Buddhismus
Hinduismus
(auch Brahmanismus) bedeutendste Religion
Hinduismus ist im weitetesten, ursprünglichen Sinne keine
Religion, sondern ein Oberbegriff verschiedenster indischer Religionen(außer
Christentum, Islam, Buddhismus, Jainismus, Sikhs).
Die Indische Regierung definierte später den Hinduismus
aus politscher Sicht einschließlich der Buddhisten, Jainas und Sikhs.
Der Neo-Hinduismus ist eine weitere, moderne Form des
Hinduismus.
Geprägt von alten Religionen des Indus-Tales und
Einflüssen der Drawiden (aus dem Süden) und den Arier
(aus dem Norden) entwickelte sich der Hinduismus nachweislich seit 1000 v. Chr.
im Rahmen der vedischen Periode (bzw. arischen) und erreichte in der
klassischen Periode (ab 500 vor Chr.) seine Vollendung in der heutigen Form.
Der Hinduismus wurde ab 400 vor Chr. stark durch den Buddhismus verdrängt und
erreichte erst nach ca. 700 Jahren wieder eine Vormachtstellung, die aber ab
dem 8. Jahrhundert durch den islamischen Einfluss stark zurück ging.
Wichtigsten heiligen Bücher u.a. die vier Veden
("Göttliches Wissen" Rig-, Yajur-, Sama- u. Athara-Veda) (mit den Anhängen Brahmans u. Upanishaden) auf welche die hinduistische Philosophie
beruht. Das epische Gedicht Mahabharata (Großer Krieg
der Bharaten) mit über 200.000 Zeilen beschreibt die
Schlacht zwischen den 'Kauravas und Pandavas (Nachkommen von Lunar). Aus diesem Werk stammt
auch die Geschichte von Rama, die wahrscheinliche Grundlage des berühmten Epos Ramayana.
Grundidee des Hinduismus: Ständige Wiedergeburt,
Wiederverkörperung und je nach den Taten im früheren Leben bekommt man ein gutes
oder schlechtes Karma und kann auf einer höheren oder niederen Stufe
wiedergeboren werden mit dem endgültigem Ziel der Erlösung - dem Moksha. Geregelt wird das hinduistische Leben durch Gesetze
- des Dharma innerhalb der Kastensysteme.
3 Grundregeln : ständige Zeremonien zur Reinigung und
Dienen der Gottheiten, Leichenverbrennung, Kastensystem.
Kastensystem (Hauptkasten): Brahmanen (Priester), Kshatriyas (Krieger), Vaishyas
(Händler, Bauern), Shudras (Arbeiter, Handwerker).
Außerhalb der Kasten stehen die Dalits
(Unberührbaren) auch Parias (unreine) genannt - die niedrigste Schicht (für die
dreckigsten Jobs).
Diese Kasten unterteilen sich noch mal in viele
Unterkasten (ca. 2000-3000).
Götter: Hauptgott hat 3 Erscheinungsformen Brahma
(Schöpfer), Vishnu (Erhalter)
und Shiva (Zerstörer und Erneuerer).
Die Haupterscheinungsformen werden immer mit 4 Armen
dargestellt. Brahma hat zusätzlich noch 4 Köpfe.
Jeder Gott hat seine eigenen Symbole, Reittier, Partner
und bestimmte Fähigkeiten. Diese Götter erscheinen in den verschiedensten
Verkörperungen.
Brahma Personifizierung des vedischen Neutrums "brahman" (Universalseele, Weltall) trägt stets die
Heilige Schnur der drei oberen Stände und reitet die Gans (hansa).
Brahma ist Gestalter des Universums und Wächter der Welt.
Vishnu war 9x auf der
Erde, in Form von Fisch, Schildkröte, Eber, aber auch als Rama, Krishna und
Buddha.
In seiner Ursprünglichen Form wird er ruhend auf
einem Bett aus Schlangen und mit Schnecke, Lotos, Keule und Diskus in den
Händen.
Shiva, der Gott der Zerstörung aber auch der Erneuerung
reitet auf dem Stier Nandi, trägt einen Dreizack und
hat ein drittes Auge auf der Stirn.
Mit seiner Gemahlin Parvati hat
er 2 Kinder - Ganesh (Gott des Reichtums und
Weisheit) und Kartikkaya (Kriegsgott). Ganesh mit seinem Elefantenkopf ist mit einer der
beliebtesten Götter Indiens. Den Göttern werden spezielle Tempel
gewidmet, Brahma übrigens wurden in ganz Indien nur 2 oder 3 Tempel erbaut.
Das heilige Tier der Hindus ist die Kuh.
Dem Hinduismus nach alter Definition kann man nicht
beitreten, als Hindu wird man geboren und auf Grund der Geburt auch einer
bestimmten Kaste zugeordnet. Ausgenommen sind die Rückkonversion von ehemaligen
Hindus zurück zum Hinduismus oder die Konvertierung zu sogenannten
neo-hinduistische Bewegungen.
Guru ist ein geistiger Führer, Vermittler der
hinduistischen Lehre.
Sadhu ist ein Heiliger,
ein Wandermönch.
Yogi Heilige, Mönche, Selbstmeditation, Selbstbezwingung.
Mahatma Gandhi (1869-1948) bedeutendster Denker des
modernen Hinduismus. Führte indische Befreiungsbewegung im Zeichen der
Gewaltlosigkeit.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich aus der Berührung
Europa mit Indien verschieden religiös-soziale Reformbewegungen.
Der Neo-Hinduismus war von Anfang an mit den
Unabhängigkeitsbestrebungen und auch mit der in Frage Stellung des
Kastensystems verbunden.
Der Neo-Hinduismus zeichnet sich aus durch die Abschaffung
vom Kastensystem, Abkehr von Bilderverehrung, gegen Witwenverbrennung und
anderen fortschrittlichen sozialen Erkenntnissen.
Wenn auch in Indien mit der Industrialisierung und
Modernisierung des Landes und offizieller Abschaffung des Kastensystems die Religionen
sich schrittweise anpassen, so wirkt sich trotzdem immer noch die alte Form des
Hinduismus und auch des Islams auf die Gesellschaft aus.
Außerhalb Indiens haben
sich Religionsströmungen des Neo-Hinduismus verbreitet. Insbesondere wegen der
humanistischen Ziele und der Möglichkeit zu dieser Glaubensrichtung zu
konvertieren.
In Deutschland wird diese Form des Hinduismus unter anderem
in der Hare-Krishna-Bewegung, Sri Chinmoy oder Amrita-Vereinigung gelebt.
Buddhismus
geboren in Indien
Heute nur noch ca. 5 Millionen Buddhisten in Indien, aber
Indien wurde stark vom buddhistischem Glauben
geprägt.
Entstand ca. 500 v.Chr. in Nordindien. Buddhismus ist
nicht alleine nur auf einen Gott ausgerichtet, es ist schon eine philosophische
Lehre. Das höchste was man im Buddhismus erreichen kann ist die Erleuchtung. Es
gibt keine überlieferten Schriften. Buddhismus hat sich gespalten in Theravada (Lehre der Ältesten - auch Hinayana kleines
Fahrzeug) und dem Mahayana (großes Fahrzeug). Die Lehre der Ältesten ist
vorrangig den Priestern vorbehalten, bei der jeder für sich den Weg ins Nirwana
(Verlöschen) finden muss. Das Mahayana dagegen ist einer breiten Schicht offen
und nur durch Anstrengung aller Gläubigen ist das Endziel zu erreichen.
Der historisch menschliche Buddha ist ein Erleuchteter
der dem weltlichen Leben entsagt und sich auf die Suche nach der Erleuchtung
begab. Dieser Gautama Buddha (eigentlicher Name Siddharta)
lebte ungefähr zwischen 560 bis 480 vor Chr. Er verirrte sich erst in der Lehre
der völligen Entsagung, meditierte viel und erlangte über die Meditation die
Erleuchtung. Er machte (nach einigem Zögern) 5 Asketen zu seinen Schülern und
setzte so das "Rad der Lehre" in Bewegung. Die ersten schriftlichen
Aufzeichnungen zu den Lehren des Buddhismus erschienen erst 200 Jahre später.
Unter dem Herrscher Ashoka
erlebte der Buddhismus seine Blütezeit. Mit dem Aufleben des Hinduismus ging
der Buddhismus in der älteren Religion auf.
Jainismus hat viele Gemeinsamkeiten mit
Buddhismus.
Er wurde 500 vor Chr. durch Mahavira
gegründet. Heute nur noch im Westen und Südwesten verstreut. (nur noch über 3
Millionen Anhänger in Gujarat, Rajasthan und
Mumbai/Bombay).
Grundglaube: Weltall bestand schon immer (wurde nicht
durch Gott erschaffen). Wiedergeburt bis zur geistigen Erlösung (Moksha) in dem man auf vorgezeichneten Pfaden (durch die Tirthankars bestimmt) wandelt. Hauptregel ist das Ahimsa, der Achtung alles Lebenden und Vermeidung jeglicher
Verletzung eines Lebewesens. Daher sind sie strikte Vegetarier, im
extremen Fall tragen sie Mundschutz, um ja keine Fliege zu verschlucken, bzw.
fegen vor sich her, um keine Tiere zu zertreten. Die Jains
heute bestehen aus zwei Sekten, den Weißgekleideten (Schwetambaras)
und den "Luftgekleideten" (Digambaras).
Die Weißgekleideten kleiden sich so wie er Name und leben nicht ganz so
asketisch wie die Luftgekleideten, welche vorwiegen in Klöstern unter
Verachtung jeglichem materiellem Besitz leben. (im Bereich des Klosters sogar
nackt)
Zoroastrismus
älteste, bekannteste Religion der Welt
Im 6. oder 7. Jahrhundert vor Chr. durch
Zarathustra (Zoroaster) in Persien gegründet und hat sich in Indien sehr stark
verbreitet. Heute nur noch in Shiraz (Iran), Karachi
(Pakistan) und Mumbai/Bombay zu finden. Die Nachfahren der Anhänger des
Zoroastrismus sind die Parsen. Sie wurden damals in Persien verfolgt und flohen
nach Indien. Verehrten nur einen einzigen allmächtigen unsichtbaren Gott!
Heilige Schrift ist die Zend-Awesta.
Die Menschen unterstützen den guten Gott Ahura Mazda beim Kampf gegen den bösen
Geist Angra Manju mit guten
Gedanken, Worten und Taten (Humata, Hukta und Huvarshta).
Zeremonien in Feuertempeln (mit ewiger Flamme) mit den
heiligen Bekleidungsstücken Sadra (Hemd) und Kasti (Tuch). Ihre Toten werden in den "Tempeln des
Schweigens" frei ausgelegt und damit den Geiern und Raben überlassen. Die
Parsen glauben an die Reinheit der Elemente (Feuer, Erde, Luft, Wasser) und die
sollen durch die Toten nicht verunreinigt werden.
Parse wird man nur von Geburt aus (Vater und Mutter
müssen Parse sein). Über 80.000 Parsen leben heute noch in Mumbai. Sie haben
trotz ihrer geringen Anzahl immer noch großen politischen und wirtschaftlichen
Einfluss.
Sikhismus im Pandschab
Diese Glaubensrichtung der Sikhs
(hindi für Lehrling) entstand in der Zeit der
islamischen Vorherrschaft (1469 durch Guru Nanak) und ist eine Mischung
aus Hinduismus und Islam. Bildlose Verehrung eines
Gottes und ihrer 10 religiösen Meister (Gurus) sind Grundmerkmale. Besonderes
Kennzeichen eines Sikhs: 5 Symbole (alle beginnen mit
"K" in hindi) langes Haar (Kesha), Kamm aus Holz oder Elfenbein (Kangha),
kurze Unterhose (Kachha), Stahlarmband (Kara) und
(heute teilweise nur noch symbolisch) ein Schwert (Kirtipan).
Die Haare werden zu einem Knoten zusammengesteckt und unter einem Turban
verborgen.
Ihrem Namen fügen sie die Bezeichnung Singh (Löwe) hinzu.
(Aber nicht alle Inder die Singh heißen sind Sikhs!)
Sikhs sind heute
vorrangig im Pandschab verbreitet (militante Sikhs
kämpfen dort z.Z. um unabhängigen Staat) aber auch in anderen Gegenden
verstreut. Sie sind anderen Religionen und Fremden gegenüber sehr offen
Islam
in Indien
Grundregel - die Lehre in alle Welt zu tragen - wenn
nötig mit dem Schwert. Im Jahre 711 drangen die Moslems nicht nur bis nach Spanien
sondern auch mit ihren Segelschiffen (Dhaus) über den
Indus weit in das Innere Indiens. Im 11. Jahrhundert unterlag Nordindien völlig
der Moslemischen Herrschaft des Moguln-Reiches und später auch fast den
gesamten Indischen Kontinent. Trotz dieser langen moslemischen Herrschaft konnten sich der Hinduismus bewahren. Den einfachen
Übertritt in die islamische Glaubensgemeinschaft unternahmen damals nur wenige Hinduisten aus den unteren Kasten. Zwar sind heute nur ca.
10 bis 11% der Inder Moslems, aber das sind immerhin über 75 Millionen
Menschen.
Christen
und Juden in Indien
Ca. 16 Millionen Menschen leben im christlichen Glauben.
Die Portugiesen haben in Goa sehr eifrig (im
Gegensatz zu den Engländern) ihren Glauben verbreitet. Sehr stark verbreitet
ist das Christentum in Nagaland, Mizorama,
Kerala und Goa. In Cochin
und Kerala spielen die Juden eine bedeutende Rolle.
Sie wären angeblich schon 587 vor Chr. nach Cochin gekommen.